SonyEricsson Xperie X10

Der Fall Xperia X10

Kaum ein Hersteller, der Android nicht seinen eigenen Bedürfnissen anpasst. Warum dies oft schief geht, sei hier erklärt.

Nun, Android kann von sich aus eigentlich (fast) alles, was man von einem guten Handybetriebssystem erwartet. Es ist schnell, übersichtlich und einfach zu bedienen, uneingeschränkt erweiterbar und als Krönung noch quelloffen. Wären wir nicht alle Berufsskeptiker, könnte man schon fast von der eierlegenden Wollmilchsau sprechen.

Die Hersteller von mobilen Endgeräten, trüben diesen Eindruck aber teils gewaltig. Viele grosse Hersteller verändern die auf ihren Geräten installierte Android Version derart, das ein Update auf eine neue Android Version für die Kunden dieser Gerätehersteller meist erst einige Monate nach dem offiziellen Release der neuen Android Version verfügbar ist.

Wieso die Hersteller dies machen, bedarf eines kleinen Ausflugs in die Historie der mobilen Kommunikation. Noch vor rund 4 Jahren war es fakt, das die Käufer eines Mobiltelefons in erster Linie ihrem Hersteller treu geblieben sind. Wer Nokia kaufte, kaufte immer Nokia. Wer (damals) Ericsson kaufte, kaufte immer Ericsson, u.s.w. Dies nicht in erster Linie wegen den Geräten an sich, sondern vielmehr aufgrund der Menuführung des “Betriebssystemes”. Nokia galt als das (sorry für den Ausdruck) deppentauglichste Gerät, Ericsson und später Sony Ericsson war dann schon eher etwas für den geübteren Anwender. Daneben gab es auch noch Samsung, LG, etc. die auch ihre eigenen Benutzeroberflächen hatten.

Und dann kam Android. Plötzlich war da ein Betriebssytem, welches nicht mehr von den Handyherstellern oder einer ihrer Tochterfirmen hergestellt wurde, sondern eine Drittfirma erstellte ein nahezu perfektes Betriebssystem, welches zudem noch kostenlos verfügbar war. Aber was machen nun die Hersteller der Telefone? Firmen wie Sony oder Samsung nehmen Android dankend an und modifizieren dies mit eigenen Gadgets.

Dieses Verhalten der Handyhersteller führe ich auf die früheren Zeiten zurück. Als man sich im Kampf um die Kunden eher mit der Software vom Konkurrenten differenzierte als mit der durchgestylten Hardware. Klar gab es auch beim Gerätedesign Unterschiede und Präferenzen der Käuferschaft. Aber wie eingangs erklärt, entschied der Käufer in erster Linie anhand des Herstellers was der Software gleichgekommen ist.

Seit Android haben aber die Hersteller von mobilen Endgeräten noch nicht ganz begriffen, das sich der Trend seit Android stark geändert hat und die Kunden eher nach dem Gerät mit der neusten Android Version, der schnellsten CPU oder dem meisten Memory ausschau halten. Die ganzen Customizing – Anstrengungen der Hersteller verkommen immer mehr zur Nebensache, oder in Fällen wie SonyEricsson schon fast zum Frustrationsgrund. Im Fall von SonyEricsson warteten die Käufer des Experie X10 zig Monate auf ein Update ihrer angestaubten Android 1.6 Version. Gestern begann nun das Update der X10 Serie, aber nicht etwa auf Froyo, nein, auf Android 2.1.

SonyEricsson Xperia X10

SonyEricsson Xperia X10

Warum? Sobald Google Android 2.1 lancierte, begann SonyEricsson damit, ihre extremst”frisierte” Android Oberfläche von 1.6 auf 2.1 zu portieren. Da dies aber mit sensationell vielem Aufwand verbunden ist, werkelte SonyEricsson so lange an der neuen OS Version rum, bis Google inzwischen Froyo veröffentlicht hat. Und die Käufer des X10 wurden nach der langen Wartezeit zusätzlich noch gefrustet, da sie trotz Update immer noch nicht das neuste Android erhalten haben.

Eine kleine Ausnahme muss ich bei meinen Theorien machen. Das wäre der Taiwanesische Hersteller HTC. HTC hat es stets verstanden ihre Geräte mit standard Software auszustatten, diese aber durch durchgestylte Widgets und Tools anzupassen (Stichwort “Sense”). Im Gegensatz zu allen anderen Herstellern die Customizing betreiben, hat es aber HTC begriffen, das man – wenn die Modifizierungen schon sein müssen – dies so aufgleisen muss, das man schnell auf eine neue Android Version reagieren kann. So werkelt mein HTC Desire schon lange mit Froyo.

Fraglich bleibt in dem ganzen Dilemma, wann die Hersteller begreifen, das sie sich nicht mehr durch Software, sondern durch Hardware differenzieren müssen. Wenn schon Anpassungen, dann so wie HTC. Schnell, einfach und einfach einer neuen Android Version angepasst. Das andere Ende der Fahnenstange ist SonyEricsson mit dem X10. Dort erkennt man Android überhaupt nicht mehr.

Einige unserer Leser mögen jetzt auch Google wegen der unregelmässigen und schnellen Updatezyklen ins Geschützfeuer nehmen. Aber ich muss euch damit begegnen, das gerade der Umstand, immer wieder ein paar neue Features zu erhalten, für viele Android User ein Anreiz darstellen. Stellt euch mal vor, ihr müsstet (wie die Benutzer von Microsoft basierten Mobilgeräten) immer 3 bis 4 Jahre auf eine neue Betriebssystemversion warten.

Fazit: die Hersteller haben es in der Hand ob sie die Möglichkeiten von Android voll ausschöpfen, oder ob sie lieber die Kunden durch Verzögerungen verärgern. Schlussendlich entscheidet der Konsument was er will. Ob und wann die Hersteller die Lage erkennen und reagieren, bleibt offen. Ich hoffe, dass dies schnell geschehen wird. Weil nur so kann es für mich überhaupt erst interessant werden mein Google Nexus One einzumotten.

  • http://www.facebook.com/wheezzl Marc Michel

    Da stimme ich dir voll und ganz zu! Ich wollte als das X10 angekündigt wurde (resp. das Rachael damals) unbedingt dieses Gerät kaufen. Da ich zuvor ein X1 hatte und mit dem Gerät (nicht mit dem OS :)) sehr zufrieden war, wollte ich mir das X10 kaufen. Nur ging es schonmal ein Jahr, bis das Gerät dann endlich auf den Markt kam. Und dann noch mit 1.6. Das war für mich genug um mich an andere Hersteller zu wenden. Auch Samsung macht beim SGS leider nicht super schnell vorwärts, aber immerhin spricht man hier nur von ein paar Monaten und nicht fast einem Jahr.

  • bachi

    Man muss dazu auch erwähnen, das Froyo, Android 2.2, eine massive Aenderung an den internen Prozessen im OS vornimmt: Der neue Just-in-Time Compiler der Dalvik Virtual Machine (welcher für den grossen Performacezuwachs verantwortlich ist) hat wohl jenen, welche tief auf Systemebene Anpassungen vorgenommen haben, einigen Anpassungsaufwand abverlangt. Das Upgrade von 2.0 auf 2.1 war verglichen dazu massiv einfacher umzusetzen.