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Google bewertet Motorola Patente mit 5,5 Mrd. Dollar & denkt über Patent-Zukäufe nach

Im August 2011 hat Google mit einem Paukenschlag die Übernahme von Motorola Mobility für 12,4 Mrd. US-Dollar bekanntgegeben. Es hat dann aber weitere 9 Monate gedauert bis weltweit alle kartellrechtlichen Fragen mit den Behörden geklärt und die Übernahme abgeschlossen wurde. Bis heute stellt sich die Frage ob Google zu viel für den Motorola Deal hingeblättert hat und was der Suchmaschinenriese letztendlich mit der Hardware Sparte von Motorola in der Zukunft vor hat.

Einen ersten Eindruck von der neuen Googlerola Company lieferten uns die kürzlich veröffentlichen Quartalszahlen von Google. Bei einem Gesamtumsatz von 12,21 Mrd. US-Dollar hat Motorola hierzu einen Umsatz von 1,25 Mrd. US-Dollar beigesteuert. Beim Nettogewinn von 2,79 Mrd. US-Dollar verzeichnete die Sparte von Motorola allerdings einen Verlust von 233 Millionen US-Dollar. In einem Bericht an die SEC (Security and Exchange Commision = US-Börsenaufsicht) hat Google nun den Unternehmenswert von Motorola aufgeschlüsselt.

Demnach setzt sich die Kaufsumme von 12,4 Mrd US-Dollar wie folgt zusammen. 2,9 Mrd. US-Dollar entsprachen den vorhandenen Barmitteln von Motorola und weitere 670 Millionen US-Dollar deckten das übrige Nettovermögen ab. Für Motorolas langfristige Kundenbeziehungen war Google bereit 730 Millionen US-Dollar zu zahlen. 2,6 Milliarden US-Dollar entfallen auf den sog. Goodwill (Aufpreis eines Unternehmens, der über den von harten Fakten gestützten Geschäftswert hinausgeht). Dabei setzt Google vorrangig auf Synergien, die es von der Übernahme erwartet. Die Übernahme Kosten beziffert Google übrigens mit schlappen 50 Millionen US-Dollar.

Den deutlich grössten Posten nimmt aber mit 5,5 Mrd. US-Dollar wie angenommen der Kauf der 24000 (17000 bewilligt & 7000 beantragt) von Motorola gehaltenen Patente ein. Somit hat Google etwa 229000 US-Dollar pro Patent gezahlt. Das mag auf den ersten Blick als sehr teuer erscheinen relativiert sich aber schnell wenn man einmal den Preis mit anderen Patent Auktionen vergleicht. Beim Verkauf der 6000 Nortel Patente hatte ein Konsortium um Microsoft und Apple 4,5 Mrd. US-Dollar bezahlt was einem Preis von 750000 US-Dollar pro Patent entsprach. Auch als Facebook von Microsoft ein Patent Portfolio von 650 Stück für 550 Millionen US-Dollar übernahm musste das Social Network umgerechnet ca. 846000 US-Dollar pro Patent hinblättern.

Google bietet mit Partnern auf 1100 Kodak Patente

Aktuell steht uns am 8. August eine weitere Bieterschlacht bei einer Patente-Auktion bevor denn dann verkauft die insolvente Traditionsfirma und ein Pionier der Fotografie Kodak sein 1100 Patente umfasendes Portfolio. Laut Wall Street Journal führt dabei Google eine Koalition des Android Lagers um Samsung, HTC und LG-Electronics an während sich auf der anderen Seite Apple mit Microsoft zusammengeschlossen hat um die finanzielle Schlagkraft zu erhöhen. Kodak selbst hat den Wert des eigenen Portfolios mit 2,6 Mrd. US-Dollar beziffert was für mich dann aber im Vergleich als sehr teuer gelten würde. Die 1100 Patente von Kodak werden im Rahmen der Auktion in 2 Gruppen aufgeteilt. In der einen Gruppe werden Patente gebündelt, die sich mit der Aufnahme und Bearbeitung von Bildern beschäftigen während es in der anderen um das Speichern und Auswerten von Bildern geht.

Microsoft erwirkt einstweilige Verfügung gegen Motorola

Wie wichtig der Erwerb & Besitz eines möglichst umfangreichen Patentportfolios für die Konzerne sein kann hat jüngst Googles neue Tochter Motorola am eigenen Leib zu spüren bekommen. Das Landgericht Mannheim hat in einem Verfahren bei dem der Softwarekonzern Microsoft gegen Motorola wegen eines fehlenden Lizenzabkommens bezüglich des FAT Dateisystems geklagt hatte eine einstweilige Verfügung gegen Motorola erwirkt. Diese würde einen Verkaufsstop in Deutschland zur Folge haben und sich dabei auf die Smartphone Modelle Atrix, RAZR und RAZR Maxx betreffen. Microsoft geht es dabei aber wohl in erster Linie nicht um ein Verkaufsverbot der genannten Modelle sondern darum Motorola in ein Lizenzabkommen zu zwingen. Zur Durchsetzung des Verkaufsverbotes und zur Deckung eventueller Kosten muss Microsoft 10 Millionen US-Dollar beim Mannheimer Landgericht hinterlegen.

Apple & Microsoft als treibende Kräfte im weltweiten Patentkrieg

Im Moment habe ich leider die Befürchtung, dass die weltweiten Patentkriege eher zu als abnehmen werden und gerade Apple & Microsoft als mögliche Verlierer alles daran setzen werden dies aus finanzieller Sicht zu verhindern. Laut den letzten Apple Quartalszahlen zeichnet sich ganz langsam ab, dass den Jungs aus Cupertino der Wind immer heftiger ins Gesicht wehen wird. Ein langfristiger Niedergang ist demnach bei weiter fehlenden Innovationen nicht ausgeschlossen. Allerdings verfügt der Konzern über mehr als 100 Mrd. US-Dollar an freien Barmitteln und kämpft derweil weltweit an allen Fronten um die Konkurrenz einzudämmen. Bestes Beispiel ist ein am Montag beginnender Prozess bei dem Apple von Samsung insgesamt 2,5 Mrd. US-Dollar an Lizenzzahlungen einfordert.

Und auch bei Microsoft läuft es nicht mehr ganz so rund denn trotz eines guten Absatzes in seinen Traditionsbereichen Windows Betriebssysteme & Office Produkte sind die Erfolge im Bereich Smartphone-OS als desaströs zu bezeichnen. Die Kooperation mit Nokia um das Windows Phone-OS hat bislang keinesfalls die gewünschten Ergebnisse geliefert. Schlimmer noch der Niedergang der finnischen Smartphone Schmiede schreitet nach den letzten verlustreichen Quartalen immer schneller voran. Viel Zeit bleibt also nicht sich am boomenden Smartphone Markt zu etablieren. Und so verdient Microsoft skurilerweise jetzt schon mehr Geld mit Lizenzeinnahmen seiner Patente als mit dem Verkauf seines Smartphone Betriebssystems!

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Quellen.:

Netbooknews
The Verge
Cnet
Zdnet
Handelsblatt
Heise
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SEC
Heise
Androider