Die Swisscom iO App

Wie Swisscom mit iO der Konkurrenz ins Herz sticht

Anfangs dieser Woche lancierte Swisscom die App iO. Wir beleuchten die Tatsachen hinter dem Nutzervorteil.

Die Swisscom iO App

Eine Kampfansage an alle Provider.

Mit der iO App verfügbar für Android und iOS ermöglicht es Swisscom auch den Kunden von Sunrise und Orange, kostenlos zu kommunizieren. Dies ist im Grundsatz nicht neu, da bereits Whatsapp, Google Hangouts oder Skype dies ermöglichen. Neu ist, das man als nicht Swisscom Kunde, dennoch eine Swisscom Flatrate buchen kann. Warum dies ein weiterer Dolchstich in das Herz von Sunrise und Orange ist, versuche ich in diesem Post zu beleuchten.

Die Datenflat genügt für das rundum Sorglos Paket

Bisher zielten Anbieter wie beispielsweise Sunrise mit verschieden abgestuften Abos auf verschiedene Nutzerverhalten. So hat Sunrise vor ein paar Wochen (wieder einmal) neue Tarife bekanntgemacht. “Smart your phone” ist der Claim, welcher mit einem Muskelmännchen um Kunden wirbt. An dieser Stelle sei mir die Bemerkung erlaubt, das man mit einem Muskelmann eher weniger eine smarte Persönlichkeit verbindet. Aber dies nur am Rande, weil ich die Marketingstrategen manchmal echt nicht verstehe.

Wieso also noch ein Sunrise NOW max für 110.- / Monat buchen, wenn es viel, viel günstiger geht? Am Sunrise Beispiel genommen, würde das dann so gehen:

1. das richtige Sunrise Abo

Man nehme einen Sunrise NOW start für CHF 19.- / Monat. Dort sind 250 MB Daten inklusive. Dank der laufenden Aktion ist noch 1 GB zusätzlich geschenkt.

2. das richtige iO Abo

Auch als nicht Swisscom Kunde, kann ich bei Swisscom iO das “+Schweiz” genannte Abo buchen. Das kostet mich als Sunrise Kunde CHF 20.- / Monat. Enthalten sind unbegrenzte Anrufe in alle Schweizer Netze. Das heisst Festnetz sowie alle Mobilnetze.

3. Sparen!

Die Abokosten von CHF 19.- / Monat addiert mit dem +Schweiz Abo, ergibt CHF 39.- / Monat. All Inclu! 1.25 GB surfen, und Telefonflat in alle Netze.

Hinter den Kulissen schmerzt es Sunrise und Orange noch mehr

Nicht, das die oben aufgestellte Rechnung Sunrise und Orange nicht genug Sorgen bereiten dürfte. Es geht noch weiter, und zwar bei den Terminierungsgebühren. Jedesmal wenn ein Swisscom Kunde einen Sunrise Kunden anruft, verrechnet Sunrise sogenannte Terminierungsgebühren. Diese Gebühr verrechnen sich die Provider für das Entgegennehmen und Weiterleiten der Anrufe im eigenen Netz, für Anrufe die aus einem anderen Netz kommen.

Benutzt nun ein Swisscom Kunde die Swisscom iO App um einen Sunrise Kunden anzurufen der ebenfalls die iO App hat, kann Sunrise keine Terminierungsgebühr verrechnen. Selbst wenn der Anrufende Swisscom Kunde keine iO App hat, kostet es die Swisscom nichts. Dies, weil Swisscom “weiss”, das der angerufene Sunrise Kunde die iO App hat und dementsprechend den Call nicht via Sunrise, sondern direkt auf die iO App routet.

Rote Köpfe bei Sunrise und Orange

Bei Sunrise und Orange werden jetzt einige Köpfe am rauchen sein. Nicht nur Zigaretten vor dem Gebäude, sondern auch weil man sich ab dem neusten Schachzug der Swisscom wohl so richtig die Haare raufen wird. Swisscom kann es halt einfach. Dort hat man erkannt, das man weiter als nur 5 Monate im Voraus denken muss. Sunrise und Orange, insbesondere Sunrise, beschäftigen sich lieber mit sich selbst und überlegen sich, wie man den EBITDA hoch halten kann, wie man den Investoren gerecht werden kann und wo man noch sparen könnte. Und so lange Sunrise und Orange nicht aufhören sich selbst in den Schwanz zu beissen, so lange wird Swisscom mit jedem Tag und jedem iO-mässigen Schachzug seine Position im Markt stärken und es den beiden Anderen noch schwieriger machen, ihre Marktanteile zu verteidigen.

Wer verschwindet zuerst? Sunrise oder Orange? Survival of the fittest!

Die Zeit wird es richten. Ich gehe schwer davon aus, das in 2 Jahren entweder Sunrise oder Orange von der Landkarte der Schweizer Anbieter verschwunden ist. Vielleicht überlebt ein Brand, aber Firmen mit mehreren hundert Angestellten, die sich nur mit Financial Engineering beschäftigen, anstatt Telekom Business zu betreiben, sind gegen eine Swisscom machtlos. Obwohl man gegen eine Swisscom mit rein finanziellen Mitteln nichts unternehmen kann, könnten es Sunrise und Orange doch noch hinbekommen. Dazu müsste man dort aber die Finanzabteilungen um 90% verkleinern, den Leuten mehr Freiraum für Innovation geben und dann den vorhandenen, teils wirklich guten Hirnschmalz in ebendiese Innovation stecken. Da dies aber schon aufgrund der Besitzverhältnisse bei den beiden privaten nie geschehen wird, kann man beruhigt davon ausgehen, das entweder Sunrise oder Orange in den nächsten Jahren in irgend einer Form seine Pforten schliessen wird. Der Markt regelt es. Oder um es in Darwins Worten zu sagen: “Survival of the fittest”, oder zu Deutsch: “es überleben die bestangepassten Individuen”, in unserem Falle eindeutig die Swisscom.

  • Frank

    Ist da etwa jemand schlecht auf seinen ehemaligen Arbeitgeber zu sprechen oder hat eventuell noch eine Rechnung offen?

    • Thomas Hofer

      Hallo Frank

      nein, gar nicht. Wie im Beitrag steht, Orange hat das gleicher Problem wie Sunrise. Sunrise hält hier einfach als Beispiel her, weil ich das Innenleben am besten kenne und weiss, wovon ich spreche. Das hat nix mit Abrechnung, etc. zu tun. Im Gegenteil. Ich wünschte mir, das Sunrise den Dreh rausbekommt und einmal Gas gibt.

      Liebe Grüsse

    • Damo Lokmic

      Das hat zum Glück sehr wenig mit persönlichen Differenzen zu tun, sondern mit der Wahrheit, die man nicht unter den Teppich kehren kann.

  • Mirko Stocker

    Was mir noch nicht ganz klar ist, eine “Telefonflat” hat man ja eigentlich nicht, denn Telefonieren verbraucht jetzt Datenvolumen.

    • Thomas Hofer

      Hallo Mirko

      das stimmt schon, was du sagst. Da aber die Daten in den vergangenen Jahren massiv verbilligt wurden, einem gar nachgeworfen werden, kann man durchaus von einer Flat sprechen.

      Viele Grüsse, tom

      • Mirko Stocker

        Ok :-) Hat schon mal jemand gemessen wie viele Daten denn übertragen werden?

    • Damo Lokmic

      Ein Grund mehr zu Swisscom zu wechseln und von der einzig wahren Flat in der Schweiz zu profitieren.

  • Janos

    Ich finde die iO-App zwar sehr interessant und gut, denke aber nicht, dass iO das Telefonieren und Schreiben revolutioniert, wenn dies der Fall sein sollte “Pinkelt” sich die Swisscom nähmlich selbst ans Bein, weil niemand mehr überteuerte Infinity-Abos etc. abschliessen würde…
    Ich finde iO wird die “regulären” Abos nicht ersetzen, dafür aber eine gute Ergänzung dazu.

    Ich denke auch, dass wegen iO kein Anbieter weichen muss, obwohl ich denke das es um Sunrise nicht gut steht (schlechtes Netz, schlechter Service, dumme Abos). Kann gut sein, dass es Sunrise bald nicht mehr gibt…

    Hat jemand eine Ahnung viel gross die Datenmengen sind, welche von iO verbraucht werden?

    • Sonja Keller

      @ralfbeyeler hat am 25. Juni getwittert: Pro Minute Telefongespräch werden rund ein halbes Megabyte Daten übertragen. #Swisscom #io #live

    • Damo Lokmic

      Da hier das Telefonieren über das Datenvolumen geht, wird ein Swisscom-Kunde wohl oder übel irgendwann auf ein infinity S wechseln müssen, damit er erstens unlimitert Telefonieren kann und zweitens anständiges Internet hat. Und wer dann das Blut im infinity M wittert, der wird dann am meisten Freude am Abo als auch an der Swisscom haben und umgekehrt.

  • freaker

    Im Endeffekt ist Swisscom jetzt bereits konkurrenzlos teuer und keine wirkliche Alternative zu den Orange Me Abos. Wobei wir auch beim nächsten Problem von Swisscom und Sunrise sind. Beide verkaufen Abos die wahrscheinlich für 90% aller Kunden viel zu teuer sind weil Zeug mit dazu gekauft werden muss die man nicht zwingend braucht, Telefonflats. Ausserdem muss ich mindestens ein Abo für 99CHF abschliessen um wenigstens mal HSDPA-Speed zu bekommen. Infinity S für sage und schreibe 75CHF ist gerade mal auf 1/3 der 3G-Speed beschränkt und ist für Aktivitäten wie Musik streaming unbrauchbar. Bei Orange bekomm ich ein 3GB-Volumen im vollen 4G-Netz für 35CHF. Während Swisscom und Sunrise sich mit unsinnigen Abomodellen Kunden verärgern, die auch mal das Kleingedruckte lesen ist Orange derzeit der einzige Anbieter der wirklich individuelle Abos anbietet. Dann müsste also eher Sunrise und Swisscom verschwinden, da sie sich überhaupt nicht an den Markt angepasst haben in dem Telefon- und SMS-Flats an Bedeutung verlieren und die Datenpakete immer wichtiger werden.

    • Sandro Graf

      Das wird niemals passieren.
      Swisscom hat die BORS und die werden niemals zu einem anderen Anbieter wechseln….
      Swisscom hat auch den Vorteil der Immensen Einahmen durch BORS und Co oder auch mit Natel+ das bietet kein anderer Anbieter an.

    • skorp

      hallo Freaker
      sind 3 franken am tag für eine echte flat teuer ?
      plus 30 min ins ausland telefonieren nicht vergessen ;)

      • freaker

        ja, ist es wenn ich dafür nichtmal 4G-Speed bekomme. Für 3G wären 1CHF am Tag angemessen. Und über 2CHF/Tag für nichtmal 3G-Speed ist eine Frechheit!